Was sind Existenzprobleme, wann geht es einem "richtig gut"? Wenn du nicht weißt, ob du am Monatsende noch genug Geld für's Essen hast, hast du sicher auch kein Geld übrig, um etwas abzugeben. Das heißt aber nicht automatisch, dass du dann eine Wut auf die entwickeln musst, die angeblich nur schmarotzen. Aber ich denke, dass man anfällig dafür ist. Vielleicht ist man aber auch anfällig für Neid auf die, die mehr haben und vielleicht sogar wütend auf "die Überreichen". Auf der anderen Seite gibt es auch Wohlhabende, die gar nicht emphatisch ggü. Ärmeren sind ("können ja alle mehr arbeiten") oder emphatisch sind (aber trotzdem nichts geben) oder aber eben doch einen beträchtlichen Teil ihres Vermögens teilen.
Da spielen sicher äußere Faktoren eine große Rolle: Wie ist man erzogen und aufgewachsen, was sagen die Menschen um einen herum, was zeigen dir die Medien, was sagen die Politiker?
Perfide ist die Taktik der AfD und (speziell) der AfD-nahen Medien, das Schlechte immer stärker zu betonen, da ihnen das die Wähler bringt. Und da kommt dann bei einigen der Kreislauf in Gang, den Uncoolman anspricht: Die Menschen fühlen Existenzprobleme ("Man ist nicht mehr sicher", "Unser Geld wird nur an Fremde verschleudert", "Alles wird verboten") und die AfD gibt einfache Antworten ("Dir geht es nicht gut, du bist fleißig, du sollst davon Leben, Schuld sind die Grünen"). Da musst du dich dann nicht hinterfragen, nicht ändern, nicht kontrollieren, sondern einfach nur die Blauen wählen.
Gleichzeitig ist das aber auch ein Grundmechanismus. Wann waren de Grünen besonders stark? Als die Angst vor dem Klimawandel besonders stark war. Die Sorge ist sicher immer noch da, aber die AfD konnte die eigenen Sorgen stärker darstellen.
Wann war die Union besonders stark? Wenn die Wirtschaft besonders am Kränkeln war. Inzwischen scheint nur vielen klar geworden zu sein, dass die Union Wirtschaft gar nicht kann.
Nur bei der SPD fällt mir da nicht so recht was ein. Sie hatten vielleicht mal als "Kümmerer" Erfolg.
Habe mir bis jetzt nur die ersten 15 Minuten angehört. Bis hierhin bestärkt es mich in einem Punkt, den ich hier schonmal versucht habe zu machen: Die ungleiche Vermögensverteilung speziell durch unser Erbschaftssystem ist problematisch. Es ist schon verrückt, wie oft man da direkt auf Widerstand stößt, obwohl doch die allermeisten von einer Reform, die hohe Erbschaften stärker einschränkt, profitieren würden und es doch auch nach objektiven Kriterien "gerecht" sein sollte.Uncoolman hat geschrieben: ↑12.09.2026, 03:09 Über die Ungleichheit zwischen Arm und Reich.
Ungleichheitsforscherin Martyna Linartas über Umverteilung von Reichtum - Jung & Naiv: Folge 765
https://www.youtube.com/watch?v=13RiLPYd9nA
Der andere Punkt, der bisher aber nur angeschnitten wurde, ist die Unterscheidung zwischen Vermögen und Einkommen. Bzw. was jetzt als Einkommen gewertet wird. Denn Vermögen wird kaum besteuert und das Einkommen aus Vermögen wird ebenfalls deutlich geringer besteuert, als das Arbeitseinkommen. Es gäbe also Stellschrauben, mit denen man die Vermögensungleichheit reduzieren könnte.




