Dreamfall: Eindrücke

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Mahlzeit!
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Dreamfall: Eindrücke

Beitrag von Mahlzeit! »

Die Review von interrozitor wurde abgetrennt und verschoben:


http://www.adventure-treff.de/forum/vie ... php?t=9341

neon
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Danke für diese Kurzreview! Kanns kaum erwarten das Ding endlich zu spielen. Meine Erwartung ist tatsächlich - wie du schreibst - dass Dreamfall sich aufmacht eine neues Genre auf den Weg zu bringen. Eins, dass die Dramturgie von Filmen mit dem Involvment von Spielen verbindet und dabei die ganzen Facetten, und nicht nur den Ballerpart mit reinbringt. Ähnlich wie Fahrenheit.
Wie das bei Pionieren halt so ist, es ist nicht immer alles perfekt.... Aber trotzdem geil :D Und wenns ein Erfolg wird, dann wirds in Zukunft immer besser.

Ach, aber erstmal spielen. stimmt ja.
gaso09
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Beitrag von gaso09 »

Interessantes Review.

Allerdings ist mir vor allem das gameplay wichtig und gerade was die Rätsel angeht, scheint das Spiel entscheidend zu schwächeln. Daher kann ich leider deine Wertung nicht anstzweise nachvollziehen.
Fabs der Zweite
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Beitrag von Fabs der Zweite »

Ich frage mich ehrlich, ob man, nach dieser Beschreibung, wirklich von einem neuen Genre sprechen kann oder wir es hier nicht viel mehr mit einem weiteren Spiel zu tun haben, dass eigentlich ein Film sein will. Dreamfall mag von mir aus eine großartige Atmo und Story haben, aber allein deswegen von einem neuen Genre und 90% und Meisterwerk und und und zu reden halte ich solange für übertrieben, solange wir es mit einem Videospiel zu tun haben, dessen Gameplay stellenweise murks zu sein scheint. Die von vielen hoch gelobten Attribute von Dreamfall sind Dinge, die tatsächlich auf große Kunstfertigkeit schließen lassen - in einem Film. Aber bei einem Videospiel gehört nunmal Gameplay und ein gewisses Maß an, wenn auch nur vorgegaukelter, Interaktivität dazu, um aus einer großartigen Story mit schöner Atmo mehr zu machen, als einen Film zum mitspielen. Oder die Gameplay-Schwächen müssen so gut kaschiert sein, dass diese dem Spieler nicht auf den ersten Blick auffallen. Und dies scheint nicht der Fall zu sein.

Selbstverständlich ist mein Text unter dem Vorbehalt zu genießen, dass ich das Spiel selber noch nicht spielen konnte und mich rein auf die Aussagen anderer beziehe. Doch diese Aussagen scheinen so ziemlich in der gesamten Videospielcommunity Widerhall zu finden, da selbst Leute, die von diesem Spiel begeistert sind, auf die spielerischen Schwächen hinweisen und diejenigen, die Dreamfall für Crap halten, dennoch das ansprechende Drumherum würdigen.

Ich will daher nicht ausschließen, dass das neue FunCom-Spiel zu den besseren Vertretern seiner Gattung gehört oder dass es mir sehr gut gefallen könnte, sobald ich es in die Finger bekomme. Aber mir persönlich ist seit Shenmue kein "andersartiges" Adventure mehr untergekommen, dass die Vorschusslorbeeren gerechtfertigt hätte. Ich bin daher nach wie vor sehr skeptisch, zumal letztgenanntes Stück Software einen ähnlichen Ansatz verfolgt hat, wie Dreamfall und dabei die Mischung aus Action und Adventure sowie die Simulation einer realistischen Welt in herausragender Weise gemeistert hat. Das ist nunmal meine Messlatte. Und sie liegt verdammt hoch.
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interrozitor
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Beitrag von interrozitor »

Nun, ich war zuerst auch skeptisch, dachte dann aber, jemand wie Ragnar Tornquist, der schon TLJ gemacht hat, _kann_ das einfach nicht versauen.

Das Spiel ist einfach insofern genial, daß es zwar nicht im Rätselteil überzeugt aber einen einfach unheimlich fesselt und nicht losläßt bis zum Abspann. Und es ist auch nicht so, daß man nichts zu tun hätte und aus den Zwischensequenzen gar nicht mehr raus käme... Wie gesagt, das Gameplay hat Schwächen, aber das sind meiner Meinung nach eher Kleinigkeiten, nichts wirklich gravierendes.

Es ist glaube ich sehr schwierig das nachzuvollziehen, wenn man das Spiel noch nicht gespielt hat. Denn Atmosphäre und Spielgefühl oder vielmehr Spielspaß läßt sich schlecht in einem Review transportieren.

Vor allen Dingen wollte ich auch nichts zur Story an sich schreiben, da gäbe es einiges zu sagen. Auch wie faszinierend die Locations sind usw. Aber da würde man viel zu viel spoilern, daher...

Ich weiß, die 90% hören sich komisch an und das Ganze wirkt wahrscheinlich auf jemanden, der das liest so wie mit Baphomets Fluch 3, 3D, nett, aber mit schalem Beigeschmack. Und das ist bei Dreamfall eben genau nicht so.
Ich würde mich so weit aus dem Fenster lehnen zu sagen, daß jemand der TLJ gespielt hat und gut fand dieses Adventure ebenfalls gerne spielen wird. Wenn man schon mit TLJ Schwierigkeiten hatte... oder mehr so auf Hardcorerätsel wie bei TonyTough steht... trotzdem, ich glaube selbst diejenigen werden sich der Atmosphäre kaum entziehen können....
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basti007
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Beitrag von basti007 »

Fabs der Zweite hat geschrieben:Ich frage mich ehrlich, ob man, nach dieser Beschreibung, wirklich von einem neuen Genre sprechen kann oder wir es hier nicht viel mehr mit einem weiteren Spiel zu tun haben, dass eigentlich ein Film sein will. Dreamfall mag von mir aus eine großartige Atmo und Story haben, aber allein deswegen von einem neuen Genre und 90% und Meisterwerk und und und zu reden halte ich solange für übertrieben, solange wir es mit einem Videospiel zu tun haben, dessen Gameplay stellenweise murks zu sein scheint.
Die eigentliche Frage, die sich mir hier stellt, ist, ob man Produkte wie Dreamfall allein am Gameplay messen muss. Für mich sind Computerspiele weiterhin Unterhaltungsprodukte. Und Dreamfall scheint ja ganz gut zu unterhalten - mit anderen Mitteln zwar, aber es macht den Leuten Spaß. Die Tatsache, dass diese Mittel mit den bisher bekannten Elementen nicht konform geht würde ich aber nicht Dreamfall anlasten sondern eher der Definition, die da sagt: "Du hast kein computerspielkonformes Gameplay - du bist kein Spiel!". Aber was genau ist denn ein Spiel nun? Also ich mach das nicht allein an der Interaktivität oder dem Gameplay fest.

Ich oute mich hier mal wieder als Fan interaktiver Spielfilme. Klar, hier gibt es massenweise Beispiele für eigentlich katastrophales Gameplay. Bei manchen Drücke ich nur ein paar Knöpfe, die oftmals fast garnichts bewirken. Spaß macht mir das irgendwie trotzdem und ich empfinde es auch als, sagen wir mal, "Spielerei". Und wenn's mir Spaß macht, verdammt, warum soll ich es dann allein durch Relation mit anderen Gameplay-Methoden abwerten?

Ragnar hat vermutlich schon Recht, dass solche Kategorisierungen jede Innovation im Keim ersticken. Mich nervt ja schon, dass sich die Fachzeitschrift immer so auf einen Markt festfahren. Computerspiele im allgemeinen, Adventures im speziellen, Spielfilme, Interaktive Spielfilme, neuartige Storytelling-Devices, Themenattraktionen in Freizeitparks ... sind für mich alles Medien, die ne Rechtfertigung haben und die alle interessant sind, Stärken und Schwächen haben, und deshalb ruhig auch gemeinsam analysiert werden dürften, wenn es Sinn macht (und was gäbe ich für ein Magazin, dass das endlich macht und hier ein paar Transfers aufzeigt - jetzt mal von den wissenschaftlichen Publikationen abgesehen). Diese trotzhaftige Abkapselung voneinander halte ich eher für ungesund. Die Konsequenz ist dann, dass man lediglich Elemente innerhalb des Sujets verwischt - und dann kommt z.B. ein Action-Adventure raus, dass vielleicht gameplay-technisch neue Symbiosen nutzt, aber auf Unterhaltungsseite das Genre irgendwie auch nicht nach vorne bringt.

Wie genau das bei Dreamfall ist, weiß ich noch nicht - aber immerhin scheint es ein Spiel zu sein, dass sich mal versucht aus diesen Fesseln zu lösen und einfach nur das ist, was es sein will. Das rechne ich dem Projekt schon jetzt hoch an. Vielleicht ist das ja auch eine kleine Signalsetzung für die Branche. Wer weiß... :)

Just my 2 cents.
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Beitrag von Aquarius »

Klasse Beitrag, basti.
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Beitrag von gaso09 »

Für mich sind Computerspiele weiterhin Unterhaltungsprodukte
Und für mich sind Computerspiele in erster Linie SPIELE, d. H. ich will interagieren können, ein Gameplay haben und damit emhr als einen interaktiven Film.

naja, mal schauen...
Fabs der Zweite
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Beitrag von Fabs der Zweite »

@Basti: Sicherlich sind Videospiele Unterhaltungsprodukte. Und ich habe, wie oben bereits geschrieben, wirklich keine Probleme mit einem Spiel, dass zwar Gameplayschwächen hat, diese aber durch Atmo, Story usw. entsprechend kaschieren kann. So hat mir Jade Empire einen Riesenspaß gemacht, auch wenn das Gameplay wirklich erstaunlich simpel ist. Ganz im Gegenteil: Das einfache Gameplay war in diesem Fall etwas, dass ich als großen Pluspunkt gewertet hatte, weil das Spiel für ein RPG seeeeehr einsteigerfreundlich war und es auch Normalzockern erlaubte, zügig durch die Handlung zu kommen. Außerdem war es zauberhaft inszeniert. Dass die Kämpfe sich im wesentlichen darauf beschränkten, durch die Gegend zu hüpfen und immer dieselben beiden Buttons zu drücken, fiel mir zunächst gar nicht auf. So hübsch war die fernöstlich angehauchte Martial-Arts-Action inszeniert, so spektakulär die Ausweichmanöver animiert, so krachig die Schlagsamples. Man hatte das Gefühl, sich mit derselben Leichtigkeit eines Jackie Chan oder Jet Li durch die Gegnerhorden zu prügeln, was enorm zum Gesamtbild des Spiels passte. Ein komplexes, tiefgründiges und an Beat'em'Ups orientiertes Combo-Kampfsystem wäre natürlich schön anspruchsvoll gewesen und man hätte durch entsprechende Einarbeitungszeit spektakuläre Moves auf's Parkett gelegt - aber irgendwie passte das nicht zur sanften Abenteuerbrise, die sich durch das ganze Spiel zog. Und wie auch meine Begeisterung für Beyond Good & Evil zeigt, bin ich wirklich niemand, der sich über Schwächer im Gameplay aufregt - sofern sie nicht ins Gewicht fallen und das Game trotz allem funktioniert. Wenn allerdings in Dreamfall trotz allem Drumherum die Einfachheit der Rätsel und die hampeligen Kampfeinlagen tatsächlich so stark auffallen sollten, dann hat es das Spiel schlicht und einfach nicht verdient, als großartige Meisterleistung angepriesen zu werden. Es kann, wie gesagt, zweifelsohne ein gutes Spiel sein. Es kann dem Einzelnen eine Menge Spaß machen, auch mehr als "richtige" Killer-Applications. Aber wer sich als virtueller Großmeister feiern lassen will, muss eben in allen Belangen überzeugen und sich nicht wie Mr. Tornquist hinter Floskeln wie "jaja, das Spiel hat hier gut abgeschnitten und hier nicht, was genau unserem Konzept entspricht blubb blubb" verstecken. Um es mal mit der furchtbar platten Magazinsprache auszudrücken: Gut sind 80%, wer über 90 haben will muss ein Zelda abliefern.

Zum Thema Innovation: Was bringt Innovation, wenn das Ergebnis unspielbar ist und keinen Spaß macht? Und wenn das innovative Spiel spielbar ist und Spaß macht, dann sind wir wieder an dem Punkt, den ich bereits in meinem ersten Post angesprochen habe: Gameplayschwächen, die nicht auffallen. Dagegen habe ich nichts.

Und mit positiven Äußerungen wie "von seinen Fesseln lösen" und "Vorbild für die Industrie" wäre ich vorsichtig. Zu viele "Kreative" verstecken sich heutzutage hinter solchen wirren Begriffen um die eigene Unfähigkeit zu verdecken.
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Mahlzeit!
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Beitrag von Mahlzeit! »

Fabs der Zweite hat geschrieben: Zum Thema Innovation: Was bringt Innovation, wenn das Ergebnis unspielbar ist und keinen Spaß macht?
Das Dreamfall keinen Spaß macht, sehen andere anders. Abgesehen davon: Innovationen sind immer ein Risiko, da neue Dinge ausprobiert werden, mit denen noch nicht so sehr Erfahrungen hat. Drum sollte man innovative Sachen vor allem dafür schätzen, was sie gut und neu machen, denn nur so werden weitere Spiele entwickelt, die die Schwächen vermeiden.

Natürlich ist dafür auch Kritik wichtig, und Dreamfall von Anfang an in den 90er Himmel zu heben ist vieleicht auch übertrieben, aber Dreamfall-Bashing wie "Da guck ich doch lieber einen Film und spiel Monkey Island" ist destruktiv. Wie Basti meinte: Dreamfall ist das,was es sein will. Und lass mal sehen ob das Spaß macht. s.o.
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neon
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Beitrag von neon »

Könnt Ihr Euch noch an die Unkenrufe zu Fahrenheit erinnern, kurz bevor es erschienen ist? Das hat mich persönlich ziemlich verunsichert und ich war mir gar nicht mehr so sicher, ob ich es mir wirklich kaufen soll.

Am Ende habe ich mir dann die PS2-Version zugelegt und muß sagen, daß ich von dem Spiel wirklich begeistert war. Zwar fand ich die Actionsequenzen ziemlich überflüssig, gestört haben sie mich aber auch nicht wirklich. Ähnlich scheint es wohl auch bei Dreamfall zu sein, deshalb (und auch aus anderen Gründen) werde ich mir hier die Xbox-Version kaufen. Und ich bin mir ziemlich sicher, daß es mich auch wieder so fesseln wird wie Fahrenheit.

Unglücklich dafür ist natürlich der Titel selbst. Als Nachfolger von The longest Journey, einem klassischen Point and Click Adventure mit großer Fangemeinde, finde ich ein solches Experiment doch sehr gewagt. Aber es kann durchaus sein, daß sich Dreamfall gerade dadurch wesentlich besser verkauft, daß es eben ein breiteres Publikum anspricht, sowohl was das Genre als auch die unterstützten Systeme angeht. Einen Verzicht auf den Konsolenmarkt, einem nicht unerheblichen Teil des Spielemarktes, kann sich eigentlich kaum noch ein Spielehersteller leisten. Wäre ja auch schade, die Konsolen sind schließlich zum Spielen gemacht.

Ich glaube nicht, daß ein Schritt in diese Richtung falsch ist. Die mageren Absatzzahlen bei klassischen Adventures zeigen, daß sich etwas tun muß, auch wenn sich einige konservative Adventurerer dadurch auf die Füße getreten fühlen.
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Beitrag von Fabs der Zweite »

Mahlzeit! hat geschrieben:
Fabs der Zweite hat geschrieben: Zum Thema Innovation: Was bringt Innovation, wenn das Ergebnis unspielbar ist und keinen Spaß macht?
Das Dreamfall keinen Spaß macht, sehen andere anders. Abgesehen davon: Innovationen sind immer ein Risiko, da neue Dinge ausprobiert werden, mit denen noch nicht so sehr Erfahrungen hat. Drum sollte man innovative Sachen vor allem dafür schätzen, was sie gut und neu machen, denn nur so werden weitere Spiele entwickelt, die die Schwächen vermeiden.

Natürlich ist dafür auch Kritik wichtig, und Dreamfall von Anfang an in den 90er Himmel zu heben ist vieleicht auch übertrieben, aber Dreamfall-Bashing wie "Da guck ich doch lieber einen Film und spiel Monkey Island" ist destruktiv. Wie Basti meinte: Dreamfall ist das,was es sein will. Und lass mal sehen ob das Spaß macht. s.o.
Ich habe an keiner Stelle gesagt, dass Dreamfall keinen Spaß machen würde. Ich hatte Bastis Beitrag so aufgefasst, dass er Innovationen in Spielen generell meinte, unabhängig von Dreamfall. Und so lobenswert Innovationen für sich selbst gesehen sind, wenn sie keinen Sinn machen, kann man den Mut der Entwickler vielleicht anerkennen, das Spiel wird dadurch aber nicht besser. Insbesondere muss man aufpassen, da sich irgendwelche Feld-,Wald- und Wiesenentwickler nur allzu gerne mit dem beliebten Schlagwort Innovation für spielerische Schwächen ihres Produkts rechtfertigen. Genauso skeptisch war ich beispielsweise bei Nintendos DS oder bin es noch immer bei der nächsten Heimkonsole Revolution/Wii. Dass Nintendo-Firmensprecher und überhypte Journalisten natürlich erstmal das Blaue vom Himmel prophezeihen ist logisch. Und es gibt leider Gottes eine Menge Leute, die sich von "Innovationen" gerne mitreißen lassen und erstmal den Geldbeutel zücken, nur um am Ende mit einem Ding dazustehen, von dem sie enttäuscht sind. Mehr als 1 Jahr nach dem Launch habe ich mir, überzeugt von der bis dahin erhältlichen Software, den DS gekauft, da die vollmundigen Versprechungen Stück für Stück in die Tat umgesetzt worden sind - Innovation, die funktioniert hat, obwohl ich anfangs sehr an Sinn und Zweck der Doppelbildschirme mit Touchscreen gezweifelt hatte.

Was Dreamfall betrifft: Wer den Anspruch erhebt, das neue Killeradventure zu entwickeln darf nicht beleidigt sein, wenn man ihn beim Wort nimmt und entsprechend hohe Erwartungen hat. Dann bedeutet Innovation für mich, dass verschiedene neuartige Konzepte ausprobiert und die Unbrauchbaren wieder verworfen worden sind, während die Interessanten ihren Weg ins Spiel gefunden haben. Und wer es für nötig hält, Kampfeinlagen in sein Spiel zu integrieren, muss dafür sorge tragen, dass diese ansprechend umgesetzt sind. Wer außerdem noch meint, trotz der Action ein Adventure zu entwickeln muss sich entsprechend um ansprechende Rätsel kümmern. Auch an dieser Stelle verweise ich darauf, dass ich das Spiel noch nicht gespielt habe und mir eine entsprechendes eigenes diesbezügliches Urteil erst bilden werde, wenn ich durch bin.

Zum Thema Bashing: Was man bislang von Dreamfall hört, ist, dass Story, Atmo und Charaktere toll sind und der Rest in die Ecke "ferner liefen" gehört. Und wenn sich die Interaktion tatsächlich auf das Bewegen der Spielfigur von der einen zur nächsten Filmsequenz, das Lösen simpler Rätsel und überstehen zappeliger Kämpfe beschränken sollte, dann frage ich mich ernsthaft, weshalb die Typen ein Spiel und keinen Film gemacht haben: Gute Voraussetzungen hierfür scheinen ja gegeben. Selbstverständlich erschöpft sich die Interaktion in Max Payne z.B. auch zum Großteil im Spielen von Sequenz zu Sequenz und hin und wieder ein paar Gangster über den Haufen Ballern. Aber dank Bullett Time, starkem Hauptcharakter und kanckigem Design macht es trotz allem Spaß. Stichwort "simples Gameplay, dass nicht negativ ins Gewicht fällt". Und ein wenig gesunde Skepsis ist insbesondere bei einem Hypetitel wie Dreamfall durchaus gerechtfertigt. Wenn diese gesunde Skepsis dann im Lichte völlig euphorischer Firmensprecher und überheblicher Gamedesigner etwas mehr in Richtung Bashing geht, solange nichts geliefert wird, was beweist, dass wir es hier tatsächlich mit dem angepeilten außergewöhnlichen Superwerk zu tun haben, braucht man sich weder zu wundern, noch sich darüber aufzuregen. Denn wenn das Spiel tatsächlich so gut ist, wie von einigen behauptet, dann wird es mich und andere Kritiker, sofern es sich um Leute handelt, die mit dem Genre prinzipiell etwas anfangen können, umstimmen. Ist dies nicht der Fall, war's wohl doch nicht der Brüller. Aber dem Spiel einfach so über sämtliche Kritikpunkte hinweg einen tollen, eigenständigen Status zuzusprechen, halte ich für zu einfach.
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Beitrag von neon »

Fabs der Zweite hat geschrieben:
Was Dreamfall betrifft: Wer den Anspruch erhebt, das neue Killeradventure zu entwickeln darf nicht beleidigt sein, wenn man ihn beim Wort nimmt und entsprechend hohe Erwartungen hat.
In dem Punkt muß ich Dir recht geben. Wer die Klappe weit aufreißt und hinterher nix in der Tasche hat, braucht sich nicht zu wundern, wenn er beim nächsten mal nicht ernst genommen wird.

Andererseits gehört Klappern zum Handwerk, und daß gerade dtp viel und gern klappert wissen wir ja inzwischen. Als Käufer mit Marktüberblick haben wir aber inzwischen doch auch gelernt, daß nichts so heiß gegessen wird wie es gekocht wurde. Das soll jetzt nicht heißen, daß die Publisher das Blaue vom Himmel runter versprechen, aber alles glauben darf man auch nicht. Entwickelt nicht jeder gerade das beste Spiel aller Zeiten? ;-)

Der Trick ist halt einfach, sich nicht von Versprechungen einlullen zu lassen, und gerade deshalb halte ich solche Diskussionen im Vorfeld einfach für nicht besonders sinnvoll. Wie Du schon sagst, eine endgültige Meinung kann man sich erst nach dem Spielen machen.
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Beitrag von Fabs der Zweite »

Klar gehören große Ankündigungen dazu und man sollte sich nicht einlullen lassen. Steht glaube ich auch irgendwo ganz am Anfang meiner Predigt :wink:

Du hast natürlich Recht, dass diese Diskussion im Grunde nichts bringt, solange das Spiel nicht raus ist. Mir geht es einfach darum, in diesem ganzen wenig fundierten Gehype einen ebensowenig fundierten Gegenpol zu bilden, damit das Forum hier nicht im "Dreamfall ist Gott"-Geblubber untergeht, sondern auch ein kritischer Ton gewahrt bleibt. Meine Beiträge sollten aufzeigen, dass, nach dem was bislang bekannt ist, man nicht zwangsläufig eine Killerapplication erwarten sollte, da die hervorgetretenen Kritikpunkte durchaus schwer wiegen und das Spiel zu einer mittelprächtigen Gurke machen könnten.

Fabs ist gerade einfach auf dem Weltrettungstripp. :wink:
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Beitrag von Aquarius »

Fabs der Zweite hat geschrieben:Mir geht es einfach darum, in diesem ganzen wenig fundierten Gehype einen ebensowenig fundierten Gegenpol zu bilden, damit das Forum hier nicht im "Dreamfall ist Gott"-Geblubber untergeht, sondern auch ein kritischer Ton gewahrt bleibt.
Interessant, wie unterschiedlich Wahrnehmungen sein können. Ich hätte eher einen wohlmeinenden Beitrag über das Spiel angemessen gefunden, damit das Forum nicht im ganzen "Dreamfall ist in Wirklichkeit ein Film und überhaupt kein Spiel"-Geblubber untergeht.
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Beitrag von neon »

Egal wie die Meinungen hier auseinandergehen, ein Ziel wurde mit den ganzen Ankündigungen auf jeden Fall erreicht. Über Dreamfall wird gesprochen wie derzeit über kein anderes Spiel.
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