Mahlzeit! hat geschrieben:Fabs der Zweite hat geschrieben:
Zum Thema Innovation: Was bringt Innovation, wenn das Ergebnis unspielbar ist und keinen Spaß macht?
Das Dreamfall keinen Spaß macht, sehen andere anders. Abgesehen davon: Innovationen sind immer ein Risiko, da neue Dinge ausprobiert werden, mit denen noch nicht so sehr Erfahrungen hat. Drum sollte man innovative Sachen vor allem dafür schätzen, was sie gut und neu machen, denn nur so werden weitere Spiele entwickelt, die die Schwächen vermeiden.
Natürlich ist dafür auch Kritik wichtig, und Dreamfall von Anfang an in den 90er Himmel zu heben ist vieleicht auch übertrieben, aber Dreamfall-Bashing wie "Da guck ich doch lieber einen Film und spiel Monkey Island" ist destruktiv. Wie Basti meinte: Dreamfall ist das,was es sein will. Und lass mal sehen ob das Spaß macht. s.o.
Ich habe an keiner Stelle gesagt, dass Dreamfall keinen Spaß machen würde. Ich hatte Bastis Beitrag so aufgefasst, dass er Innovationen in Spielen generell meinte, unabhängig von Dreamfall. Und so lobenswert Innovationen für sich selbst gesehen sind, wenn sie keinen Sinn machen, kann man den Mut der Entwickler vielleicht anerkennen, das Spiel wird dadurch aber nicht besser. Insbesondere muss man aufpassen, da sich irgendwelche Feld-,Wald- und Wiesenentwickler nur allzu gerne mit dem beliebten Schlagwort Innovation für spielerische Schwächen ihres Produkts rechtfertigen. Genauso skeptisch war ich beispielsweise bei Nintendos DS oder bin es noch immer bei der nächsten Heimkonsole Revolution/Wii. Dass Nintendo-Firmensprecher und überhypte Journalisten natürlich erstmal das Blaue vom Himmel prophezeihen ist logisch. Und es gibt leider Gottes eine Menge Leute, die sich von "Innovationen" gerne mitreißen lassen und erstmal den Geldbeutel zücken, nur um am Ende mit einem Ding dazustehen, von dem sie enttäuscht sind. Mehr als 1 Jahr nach dem Launch habe ich mir, überzeugt von der bis dahin erhältlichen Software, den DS gekauft, da die vollmundigen Versprechungen Stück für Stück in die Tat umgesetzt worden sind - Innovation, die funktioniert hat, obwohl ich anfangs sehr an Sinn und Zweck der Doppelbildschirme mit Touchscreen gezweifelt hatte.
Was Dreamfall betrifft: Wer den Anspruch erhebt, das neue Killeradventure zu entwickeln darf nicht beleidigt sein, wenn man ihn beim Wort nimmt und entsprechend hohe Erwartungen hat. Dann bedeutet Innovation für mich, dass verschiedene neuartige Konzepte ausprobiert und die Unbrauchbaren wieder verworfen worden sind, während die Interessanten ihren Weg ins Spiel gefunden haben. Und wer es für nötig hält, Kampfeinlagen in sein Spiel zu integrieren, muss dafür sorge tragen, dass diese ansprechend umgesetzt sind. Wer außerdem noch meint, trotz der Action ein Adventure zu entwickeln muss sich entsprechend um ansprechende Rätsel kümmern. Auch an dieser Stelle verweise ich darauf, dass ich das Spiel noch nicht gespielt habe und mir eine entsprechendes eigenes diesbezügliches Urteil erst bilden werde, wenn ich durch bin.
Zum Thema Bashing: Was man bislang von Dreamfall hört, ist, dass Story, Atmo und Charaktere toll sind und der Rest in die Ecke "ferner liefen" gehört. Und wenn sich die Interaktion tatsächlich auf das Bewegen der Spielfigur von der einen zur nächsten Filmsequenz, das Lösen simpler Rätsel und überstehen zappeliger Kämpfe beschränken sollte, dann frage ich mich ernsthaft, weshalb die Typen ein Spiel und keinen Film gemacht haben: Gute Voraussetzungen hierfür scheinen ja gegeben. Selbstverständlich erschöpft sich die Interaktion in Max Payne z.B. auch zum Großteil im Spielen von Sequenz zu Sequenz und hin und wieder ein paar Gangster über den Haufen Ballern. Aber dank Bullett Time, starkem Hauptcharakter und kanckigem Design macht es trotz allem Spaß. Stichwort "simples Gameplay, dass nicht negativ ins Gewicht fällt". Und ein wenig gesunde Skepsis ist insbesondere bei einem Hypetitel wie Dreamfall durchaus gerechtfertigt. Wenn diese gesunde Skepsis dann im Lichte völlig euphorischer Firmensprecher und überheblicher Gamedesigner etwas mehr in Richtung Bashing geht, solange nichts geliefert wird, was beweist, dass wir es hier tatsächlich mit dem angepeilten außergewöhnlichen Superwerk zu tun haben, braucht man sich weder zu wundern, noch sich darüber aufzuregen. Denn wenn das Spiel tatsächlich so gut ist, wie von einigen behauptet, dann wird es mich und andere Kritiker, sofern es sich um Leute handelt, die mit dem Genre prinzipiell etwas anfangen können, umstimmen. Ist dies nicht der Fall, war's wohl doch nicht der Brüller. Aber dem Spiel einfach so über sämtliche Kritikpunkte hinweg einen tollen, eigenständigen Status zuzusprechen, halte ich für zu einfach.