Verfasst: 10.01.2008, 22:44
Ich stosse mal zur Diskussionsrunde dazu. War wegen meiner zweiten Weiseheitszahn-OP ein paar Tage nur halb da und habe jetzt nicht alle Beiträge intensiv gelesen, wenn ich also nicht an jeder Stelle etwas Neues bringe, möge man mir das nachsehen.
Ich bin grundsätzlich dafür hier nicht einseitig vorzugehen. Sicherlich hat man im Bereich der Prävention in der Vergangenheit Fehler gemacht. Es ist aber nicht so, als wenn man diese nachträglich wieder ausbügeln könnte. Die sogenannten Intensivtäter, die u.a. aus diesem Mangel an Jugendarbeit usw. resultiert sind, bekommt man zu einem nicht unerheblichen Teil wohl nicht mehr gesellschaftsfähig. Hier muss sicherlich die Möglichkeit zu härteren Strafen auch für Jugendliche zugänglich gemacht werden. Gleichzeitig muss zukünftig eben mehr in Präventivmaßnahmen investiert werden, um das Heranwachsen weiterer "Intensivtäter" zumindest herunter zu schrauben. Zum anderen muss im Bereich von Poliziei und Justiz investiert werden. Ein Verfahren muss in seiner Gesamtheit lehrreich und für zukünftige Straftaten abschreckend sein und nicht (vielleicht sogar am wenigsten) aufgrund der schwere des Urteils. Und auch die Polizei, die sich regelmäßig in Problemvierteln bewegt, sich dort Respekt und Anerkennung verschafft, muss mit entsprechend geschulten Kräften ausgestattet werden und hier mit Jugendeinrichtungen und Sozialarbeitern stärker kommunizieren.
Dieser "Betreuerungsaspekt" funktioniert bei jemandem mit einer langen kriminellen Karriere sicherlich nicht mehr. Hier sollte man sich wohl in erster Linie an die wenden, die am möglichen Anfang einer solchen "Karriere" stehen. Es sind junge Menschen die, auf gut deutsch gesagt, Scheisse bauen, über die vielfältigen Ursachen, will ich mich jetzt mal nicht auslassen. Aber es sind eben junge Menschen, denen man eine Chance einräumen muss sich zu ändern und in eine gute Richtugn zu entwickeln. Wir haben früher auch viel Mist gemacht. Und auch wenn bei uns wohl keine Schlägereien, Drogendelikte oder so dazugehörten, waren unsere Lebensumstände vielleicht auch günstiger.
Das soll natürlich nichts entschuldigen, aber wenn ein demokratischer Staat seinen Bürgern, insbesondere eben jungen Menschen, nicht zutraut sich zu läutern oder ihnen gar der Chance dazu beraubt, kann das nicht richtig sein.
Dass bei den Tätern oft ein geringes Bildnungsniveau vorliegt, sollte auch den meisten bekannt sein. Perspektivlosigkeit spielt bei einer solchen Entwicklung wohl auch immer eine Rolle. Die Eltern können ihnen diese Perspektive nicht bieten, wer also soll es tun? Weshalb gibt es keine Jugendzentren, in denen sich intensiv sozial Schwächeren angenommen wird. Die Gebäude liegen schlecht, die Anzahl der Stellen für Sozialarbeitet ist viel zu gering. Weshalb gibt der Staat nicht für solche Dinge Geld aus, anstatt es weiterhin in irgendwelchen Mist zu stecken. Da sehe ich auch immer diese einseitige Ausrichtung zur Elite. Wäre sie bloß primär, würde ich das unterstützen, da nunmal insgesamt die Zukunft des Staates von den "Starken" abhängt, und weniger von den "Schwachen". Allerdings lässt man die "Schwachen" hierzulande oft einfach links liegen. Es kann nicht Ziel sein, da auch nicht finanzierbar, jedem einen Platz in der städtischen Musikschule oder so zu ermöglichen, hat ja auch nicht jeder das Zeug zu. Nur wenn ich mir so angucke, welche Leute da von den subventionierten Plätzen profitieren, muss ich mir immer wieder an den Kopf fassen. Das sind nämlich meistens die, die es sich ohne weiteres leisten könnten, ihre Kinder auch zum "vollen Preis" dort unterzubringen oder auch gleich Privatunterricht zu finanzieren. Bei Stipendien sieht es ähnlich aus. Entweder bekommen es die Kinder von Leuten, die ihr Kind auch problemlos selbst entsprechenden finanziellen Rückhalt bieten könnten oder (da ja meist eine pol. Bindung exisitert) man die richtige Farbe hat und Nichte des Bürgermeisters von Hof ist. Das ist doch die traurige Wahrheit.
Deshalb kann ich es auch absolut verstehen, wenn hier Roland Koch Meinungsmache unterstellt wird, nicht nur weil gerade Wahlkampf ist. Dass der normale Bürger nicht die viel weitreichenderen Zusammenhänge zwischen Jugendgewalt und gesamtgesellschaftlichen Problemen sieht und mal eben härter Strafen fordert, ist gleichsam nachvollziehbar wie abstrus. Nur will man doch eigentlich den Kern des Problems angehen und nicht mal 'ne schnelle Zwischen-"Lösung" schaffen, die auf Dauer wohl eher alles noch schlimmer macht. Die Leute einfach alle in den Knast zu stecken, verhindert weitere Probleme nur für die Dauer der Haft. Danach geht es so weiter wie vorher, den an der fehlenden Perspektive hat sich zumindest nichts zum Besseren gewandelt. Wenn ein Schüler auf dem Pausenhof prügelt und ich schmeisse ihn einfach von der Schule, schiebe ich das Problem nur weg. Auf der nächsten Schule prügelt der Knabe weiter wie gehabt. Mache ich ihm aber eindringlich klar, dass er Scheiße gebaut hat, lege ihm angemessenen Sanktionen auf, mit denen man demonstriert, dass man ihm helfen will und ihn nicht nur dafür knüppeln was er getan hat, ist die Wirkung sicherlich eine ganz andere.
Es ist natürlich schwierig, dass auf Leute anzuwenden, die schwere Straftaten begangen haben. Ich kann auch nicht bewerten, wann man hart bestrafen muss, wann eine handefeste Warnung oder vielleicht nur einige intensive Besprechungen noch etwas bewirken können. Aber dass man sich eben mit jedem Fall einzeln und intensiv auseinander setzen muss um eine gute Lösung zu finden scheint mir doch nachvollziehbarer als grundsätzlich bei allen direkt die Keule zu schwingen oder in jedem "leichteren" Fall grundsätzlich nachlässig zu sein.
Ich finde die Modelle für "mittelschwere Jugendkriminelle" gut, die im Knast eine Ausbildung machen müssen. So machen sie was anständiges, lernen etwas durchzuziehen, dass sie sehrwohl etwas anständiges können und werden gleichzeitig trotzdem immer wieder in Gesprächen mit ihren Taten konfrontiert, in denen ihnen klar gemacht wird, dass das nicht akzeptabel war, man aber an sie glaubt und sie hier ihre Chance haben. In "leichten" Fällen, ist vielleicht auch eine Bewährungsstrafe mit Auflagen hilfreich, genauso wie es sicher auch hoffnungslose Fälle gibt, die am besten nie wieder auf die Gesellschaft losgelassen werden. Aber um eben zu erkennen, wer wie behandelt werden muss, braucht es auch fachkundiges Personal.
Was die Abschiebung betrifft, gibt es durchaus einige Fälle in denen ich das befürworten würde. Wenn keine deutsche Staatsangehörigkeit bei einem der "hoffnungslosen Fälle" vorliegt, sollte man das durchaus in Erwägung ziehen. Das würde andere Länder auch nicht anders machen. Auch auch dabei ist immer die Frage, ob eben Hopfen und Malz verloren ist, oder die betreffende Person vielleicht doch, bei der richtigen Behandlung, einen positiven Beitrag zur Gesellschaft beizutragen.
@Lisa: Ich finde auch, dass man Zuwanderung stärker verringern sollte, wobei die Gesetze unter rot/grün ja auch erste Schritte in die richtige Richtung beinhalten. Natürlich ist es traurig, dass es nicht allen Menschen in der Welt so gut geht wie uns, aber wir können auch nicht alles Leid der Welt bei uns bekämpfen. Damit meine ich nicht nur Deutschland, sondern alle wohlhabenderen Länder.
Ich bin grundsätzlich dafür hier nicht einseitig vorzugehen. Sicherlich hat man im Bereich der Prävention in der Vergangenheit Fehler gemacht. Es ist aber nicht so, als wenn man diese nachträglich wieder ausbügeln könnte. Die sogenannten Intensivtäter, die u.a. aus diesem Mangel an Jugendarbeit usw. resultiert sind, bekommt man zu einem nicht unerheblichen Teil wohl nicht mehr gesellschaftsfähig. Hier muss sicherlich die Möglichkeit zu härteren Strafen auch für Jugendliche zugänglich gemacht werden. Gleichzeitig muss zukünftig eben mehr in Präventivmaßnahmen investiert werden, um das Heranwachsen weiterer "Intensivtäter" zumindest herunter zu schrauben. Zum anderen muss im Bereich von Poliziei und Justiz investiert werden. Ein Verfahren muss in seiner Gesamtheit lehrreich und für zukünftige Straftaten abschreckend sein und nicht (vielleicht sogar am wenigsten) aufgrund der schwere des Urteils. Und auch die Polizei, die sich regelmäßig in Problemvierteln bewegt, sich dort Respekt und Anerkennung verschafft, muss mit entsprechend geschulten Kräften ausgestattet werden und hier mit Jugendeinrichtungen und Sozialarbeitern stärker kommunizieren.
Dieser "Betreuerungsaspekt" funktioniert bei jemandem mit einer langen kriminellen Karriere sicherlich nicht mehr. Hier sollte man sich wohl in erster Linie an die wenden, die am möglichen Anfang einer solchen "Karriere" stehen. Es sind junge Menschen die, auf gut deutsch gesagt, Scheisse bauen, über die vielfältigen Ursachen, will ich mich jetzt mal nicht auslassen. Aber es sind eben junge Menschen, denen man eine Chance einräumen muss sich zu ändern und in eine gute Richtugn zu entwickeln. Wir haben früher auch viel Mist gemacht. Und auch wenn bei uns wohl keine Schlägereien, Drogendelikte oder so dazugehörten, waren unsere Lebensumstände vielleicht auch günstiger.
Das soll natürlich nichts entschuldigen, aber wenn ein demokratischer Staat seinen Bürgern, insbesondere eben jungen Menschen, nicht zutraut sich zu läutern oder ihnen gar der Chance dazu beraubt, kann das nicht richtig sein.
Dass bei den Tätern oft ein geringes Bildnungsniveau vorliegt, sollte auch den meisten bekannt sein. Perspektivlosigkeit spielt bei einer solchen Entwicklung wohl auch immer eine Rolle. Die Eltern können ihnen diese Perspektive nicht bieten, wer also soll es tun? Weshalb gibt es keine Jugendzentren, in denen sich intensiv sozial Schwächeren angenommen wird. Die Gebäude liegen schlecht, die Anzahl der Stellen für Sozialarbeitet ist viel zu gering. Weshalb gibt der Staat nicht für solche Dinge Geld aus, anstatt es weiterhin in irgendwelchen Mist zu stecken. Da sehe ich auch immer diese einseitige Ausrichtung zur Elite. Wäre sie bloß primär, würde ich das unterstützen, da nunmal insgesamt die Zukunft des Staates von den "Starken" abhängt, und weniger von den "Schwachen". Allerdings lässt man die "Schwachen" hierzulande oft einfach links liegen. Es kann nicht Ziel sein, da auch nicht finanzierbar, jedem einen Platz in der städtischen Musikschule oder so zu ermöglichen, hat ja auch nicht jeder das Zeug zu. Nur wenn ich mir so angucke, welche Leute da von den subventionierten Plätzen profitieren, muss ich mir immer wieder an den Kopf fassen. Das sind nämlich meistens die, die es sich ohne weiteres leisten könnten, ihre Kinder auch zum "vollen Preis" dort unterzubringen oder auch gleich Privatunterricht zu finanzieren. Bei Stipendien sieht es ähnlich aus. Entweder bekommen es die Kinder von Leuten, die ihr Kind auch problemlos selbst entsprechenden finanziellen Rückhalt bieten könnten oder (da ja meist eine pol. Bindung exisitert) man die richtige Farbe hat und Nichte des Bürgermeisters von Hof ist. Das ist doch die traurige Wahrheit.
Deshalb kann ich es auch absolut verstehen, wenn hier Roland Koch Meinungsmache unterstellt wird, nicht nur weil gerade Wahlkampf ist. Dass der normale Bürger nicht die viel weitreichenderen Zusammenhänge zwischen Jugendgewalt und gesamtgesellschaftlichen Problemen sieht und mal eben härter Strafen fordert, ist gleichsam nachvollziehbar wie abstrus. Nur will man doch eigentlich den Kern des Problems angehen und nicht mal 'ne schnelle Zwischen-"Lösung" schaffen, die auf Dauer wohl eher alles noch schlimmer macht. Die Leute einfach alle in den Knast zu stecken, verhindert weitere Probleme nur für die Dauer der Haft. Danach geht es so weiter wie vorher, den an der fehlenden Perspektive hat sich zumindest nichts zum Besseren gewandelt. Wenn ein Schüler auf dem Pausenhof prügelt und ich schmeisse ihn einfach von der Schule, schiebe ich das Problem nur weg. Auf der nächsten Schule prügelt der Knabe weiter wie gehabt. Mache ich ihm aber eindringlich klar, dass er Scheiße gebaut hat, lege ihm angemessenen Sanktionen auf, mit denen man demonstriert, dass man ihm helfen will und ihn nicht nur dafür knüppeln was er getan hat, ist die Wirkung sicherlich eine ganz andere.
Es ist natürlich schwierig, dass auf Leute anzuwenden, die schwere Straftaten begangen haben. Ich kann auch nicht bewerten, wann man hart bestrafen muss, wann eine handefeste Warnung oder vielleicht nur einige intensive Besprechungen noch etwas bewirken können. Aber dass man sich eben mit jedem Fall einzeln und intensiv auseinander setzen muss um eine gute Lösung zu finden scheint mir doch nachvollziehbarer als grundsätzlich bei allen direkt die Keule zu schwingen oder in jedem "leichteren" Fall grundsätzlich nachlässig zu sein.
Ich finde die Modelle für "mittelschwere Jugendkriminelle" gut, die im Knast eine Ausbildung machen müssen. So machen sie was anständiges, lernen etwas durchzuziehen, dass sie sehrwohl etwas anständiges können und werden gleichzeitig trotzdem immer wieder in Gesprächen mit ihren Taten konfrontiert, in denen ihnen klar gemacht wird, dass das nicht akzeptabel war, man aber an sie glaubt und sie hier ihre Chance haben. In "leichten" Fällen, ist vielleicht auch eine Bewährungsstrafe mit Auflagen hilfreich, genauso wie es sicher auch hoffnungslose Fälle gibt, die am besten nie wieder auf die Gesellschaft losgelassen werden. Aber um eben zu erkennen, wer wie behandelt werden muss, braucht es auch fachkundiges Personal.
Was die Abschiebung betrifft, gibt es durchaus einige Fälle in denen ich das befürworten würde. Wenn keine deutsche Staatsangehörigkeit bei einem der "hoffnungslosen Fälle" vorliegt, sollte man das durchaus in Erwägung ziehen. Das würde andere Länder auch nicht anders machen. Auch auch dabei ist immer die Frage, ob eben Hopfen und Malz verloren ist, oder die betreffende Person vielleicht doch, bei der richtigen Behandlung, einen positiven Beitrag zur Gesellschaft beizutragen.
@Lisa: Ich finde auch, dass man Zuwanderung stärker verringern sollte, wobei die Gesetze unter rot/grün ja auch erste Schritte in die richtige Richtung beinhalten. Natürlich ist es traurig, dass es nicht allen Menschen in der Welt so gut geht wie uns, aber wir können auch nicht alles Leid der Welt bei uns bekämpfen. Damit meine ich nicht nur Deutschland, sondern alle wohlhabenderen Länder.